Bundesschatz 1 Monat: Warum die Zinsen steigen, obwohl die EZB seit einem Jahr pausiert

Wer die Zinsentwicklung beim Bundesschatz mit der Variante 1 Monat verfolgt, hat zuletzt etwas Ungewöhnliches beobachten können. Seit September 2025 hat die OeBFA den Zinssatz drei Mal angehoben, von 1,75 auf mittlerweile 1,95 Prozent. Und das, obwohl die EZB ihre Leitzinsen seit Juni 2025 keinen einzigen Schritt verändert hat. Beim letzten Zinsentscheid am 30. April 2026 gab es bereits die siebte Zinspause in Folge. Wie passt das zusammen?

Ein Jahr lang im Gleichschritt mit der EZB

Ein Blick zurück zeigt, wie eng der Bundesschatz dem Leitzins eigentlich folgt. Während des Senkungszyklus von Juni 2024 bis Juni 2025 hat die OeBFA jede Zinssenkung der EZB praktisch (fast) taggleich nachvollzogen:

Bundesschatz 1MEZB wirksam abEZB EinlagensatzBundesschatz
11.06.202412.06.20243,75 %3,350 %
19.09.202418.09.20243,50 %3,100 %
23.10.202423.10.20243,25 %3,000 %
19.12.202418.12.20243,00 %2,750 %
04.02.202505.02.20252,75 %2,500 %
12.03.202512.03.20252,50 %2,250 %
24.04.202523.04.20252,25 %2,000 %
11.06.202511.06.20252,00 %1,750 %

Ab Oktober 2024 ist das Muster klar: Senkt die EZB um 0,25 Prozentpunkte, senkt der Bundesschatz um 0,25 Prozentpunkte. Der Abstand zum Einlagensatz lag damit konstant bei 0,25 Prozentpunkten. Wer den EZB-Kalender kannte, konnte die Bundesschatz-Zinsen quasi vorhersagen.

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Dann der Bruch: Der Bundesschatz löst sich vom Leitzins

Seit dem Sommer 2025 gilt diese einfache Regel nicht mehr. Die EZB hält still, der Bundesschatz bewegt sich trotzdem, und zwar nach oben:

  • 17.09.2025: Erhöhung um 0,10 Prozentpunkte auf 1,85 Prozent
  • 19.01.2026: Erhöhung um 0,05 Prozentpunkte auf 1,90 Prozent
  • 24.03.2026: Erhöhung um 0,05 Prozentpunkte auf 1,95 Prozent

Geändert hat sich aber der Abstand zum Einlagensatz: Statt 0,25 liegt er nur noch 0,05 Prozentpunkte darunter. So knapp war der Bundesschatz 1 Monat am Leitzins noch nie.

Hinweis: Dieser Beitrag ist schon etwas älter

Erstveröffentlicht am 10.06.2026. Die hier genannten Zinsen können sich zwischenzeitlich geändert haben. Hier die aktuellen Top-Zinsen im Überblick:

Laufzeit Top-Zins steuereinfach Top-Zins inkl. nicht steuereinfach
Täglich fällig 3,500% p.a. 4,200% p.a.
6 Monate 3,150% p.a. 3,150% p.a.
12 Monate 3,100% p.a. 3,500% p.a.
24 Monate 3,300% p.a. 3,500% p.a.
60 Monate 3,530% p.a. 3,610% p.a.

Stand: 28.10.2026

Was steckt dahinter?

Die Erklärung liegt am Geldmarkt. Der Bundesschatz orientiert sich nicht stur am Einlagensatz, sondern an den kurzfristigen Marktzinsen, zu denen sich die Republik tatsächlich finanziert. Und diese Marktzinsen sind seit Herbst 2025 leicht gestiegen, weil immer mehr Marktteilnehmer davon ausgehen, dass der nächste Schritt der EZB eine Erhöhung sein wird. Beim Zinsentscheid im April 2026 wurde eine Anhebung laut Protokoll bereits ausführlich diskutiert.

Interessant ist dabei das Timing der Anpassungen: Die Erhöhung vom 17.09.2025 kam knapp nach der EZB-Sitzung vom 11.09.2025, jene vom 24.03.2026 knapp nach der Sitzung vom 19.03.2026. Die OeBFA bleibt also im Rhythmus des EZB-Kalenders, richtet sich aber nach der Markterwartung statt nach dem Leitzins selbst. Ist der Bundesschatz damit so etwas wie ein Frühindikator geworden?

Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?

Kurzfristig ist der Bundesschatz 1 Monat damit attraktiver geworden, als es der Blick auf den unveränderten Leitzins vermuten lässt. 1,95 Prozent steuereinfach, ohne Bindung über einen Monat hinaus und mit der Republik Österreich als Schuldner, das kann sich im Vergleich zu vielen Tagesgeldangeboten sehen lassen. Aber: Nicht vergessen werden darf der höhere Steuersatz mit 27,5 % statt 25 % für Sparzinsen.

Spannend wird der nächste EZB-Zinsentscheid morgen am 11. Juni 2026. Hebt die EZB die Leitzinsen tatsächlich an, stellt sich die Frage, ob der Bundesschatz voll mitzieht?

So oder so lohnt es sich, die Tage nach den EZB-Sitzungen im Auge zu behalten, denn genau dann passt die OeBFA ihre Konditionen erfahrungsgemäß an.

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