Der österreichische Staat möchte auf alle Zinserträge von Sparbüchern oder Sparkonten seine 25 % an Kapitalertragsteuer (kurz KESt). Im Regelfall kümmern sich um die korrekte Abfuhr die Banken und schreiben die Zinserträge am Jahresende gut und ziehen dabei gleich 25 % an Kapitalertragsteuer ab. Somit hat es sich für den Sparer bisher immer gehabt und er musste nichts manuell durchführen.

Dieser Beitrag zeigt Ihnen die Herausforderungen bei der korrekten Versteuerung der Zinserträge aus dem Ausland und gibt Ihnen Hinweise darauf, wie dies funktioniert. Alle Angaben sind ohne Gewähr und nur ein Steuerberater kann Ihnen gänzliche Sicherheit bringen. Sie werden jedoch feststellen nach dem Studium der kommenden Zeile, dass es gar nicht so kompliziert ist.

In den letzten Jahren drängen immer mehr Banken aus dem Ausland auf den österreichischen Sparmarkt, da dieser als sehr attraktiv gilt. Die heimischen Banken speisen ihre Sparer mit niedrigen Zinsen ab und es gibt noch nicht all zu viele Direktbanken. So kamen in den letzten Jahren neben der ING DiBa, der Santander Consumer Bank oder Renault Bank direkt auch ausländische Banken, welche nicht automatisch die KESt abführen und dies dem Kunden überlassen. Das heißt, Banken wie

  • MoneYou,
  • Amsterdam Trade Bank,
  • DKB,
  • BIGBANK,
  • Yapi Kredi
  • Advanzia Bank oder
  • Crédit Agricole

zahlen die Sparzinsen brutto für netto aus. Kein Abzug irgendwelcher Steuern ist hier das Resultat, dennoch wartet das heimische Finanzamt darauf, dass Sie Ihre Abgabe bezahlen. Sie als Sparer müssen sich daher selbst darum kümmern, dass Sie Ihre Steuerschuld beim Finanzamt begleichen und den Bruttoertrag aus den Zinsen korrekt versteuern. Wie geht das?

So versteuern Sie die Kapitalerträge aus dem Ausland richtig

Die Banken erstellen zum Jahreswechsel automatisch eine Jahresübersicht über die erhaltenen Zinserträge im abgelaufenen Jahr. Diese Jahresübersicht erhalten Sie entweder per Post an Ihre Adresse zugesandt, oder Sie finden diese als PDF zum Download im Online Banking der jeweiligen Bank. Diese Zinserträge geben Sie dann in Ihrer Steuererklärung an, damit über diese die 25 % an KESt bzw. Quellensteuer abgezogen werden.

So sieht der Menüpunkt im Online Banking von MoneYou aus. Hier können Sie Ihre persönliche Jahresübersicht herunterladen!

Bei MoneYou ist es beispielsweise so, dass Sie sich ins Online Banking anmelden müssen und dort unter dem Menpunkt “Persönliche Daten” den Unterpunkt “Jahresübersicht” finden. Dort finden Sie die Jahresübersichten und können diese frei auswählen mit dem Dropdown. Herunterladen funktioniert über den Klick auf “Herunterladen”. Danach wird ein PDF heruntergeladen, welches so oder ähnlich aussehen könnte:

Auf diesem Dokument können Sie die Zinserträge aus dem jeweiligen Jahr ersehen, welche Sie für Ihre Steuererklärung benötigen. Bei Bedarf müssen Sie diese Steuerbescheinigung Ihrem Finanzamt vorlegen.

Um Ihre Kapitalerträge korrekt zu versteuern gehen Sie bitte wie folgt vor:

a) Sie verwenden im Moment noch eine Arbeitnehmerveranlagung um eine Steuererklärung durchzuführen?

Ja, dann wechseln Sie bitte zur Einkommensteuererklärung, denn nur dort gibt es das notwendige Formular E1kV. Um einen Erklärungswechsel durchzuführen steigen Sie auf FinanzOnline ein, klicken danach im Menü auf “Eingaben > Anträge > Erklärungswechsel” und wählen dort den “Wechsel zur Einkommensteuererklärung” aus. Sie erhalten danach eine Bestätigung, dass der Erklärungswechsel durchgeführt wurde. Für Sie ändert sich mit diesem Erklärungswechsel nicht wirklich etwas, denn die bisherigen Positionen Ihrer Arbeitnehmerveranlagung können Sie natürlich weiterhin wie gewohnt durchführen. Wenn Sie soweit sind, können Sie nun bei b) weitergehen.

Seit 2017 sieht der Erklärungswechsel leicht anders aus und es müssen mehr Angaben getätigt werden. Zu Beginn muss geklärt werden, woher die Einkünfte stammen, dazu das Dropdown verwenden und “Einkünfte aus Kapitalvermögen” auswählen. Im Erklärungsfeld darunter bei “Genaue Bezeichnung” erklären, woher die Einkünfte stammen werden. Je genauer, desto besser. Das freut das Finanzamt, wenn hier genaue Angaben getätigt werden. Nach den ersten Eingaben folgt die Angabe, ab welchem Datum die “unternehmerische Tätigkeit” beginnt. In unserem Falle gar nicht, aber wir verwenden das Feld um anzugeben, ab wann ausländische Zinseinkünfte gestartet sind. Hier z. B. der 1.1.2017.

 

 

 

Bei den weiteren Angaben geht es weiter zur verpflichtenden Eingabe des Bilanstichtages. Dieser wird vermutlich bei allen der 31.12. des Jahres sein und die letzten beiden Angaben beziehen sich auf die voraussichtlichen Brutto-Zinseinkünfte, welche in den Feldern “Voraussichtlicher Gewinn im Eröffnungsjahr” bzw. “Voraussichtlicher Gewinn im Folgejahr” eingetragen wird. Wenn die Zinseinkünfte und die daraus resultierende Steuerzahlung einen höheren Betrag ausmachen würde, so ist es auch möglich, dass das Finanzamt eine Vorauszahlung der Einkommensteuer vorschreibt. Dies würde dann mit einer quartalsmäßigen Zahlung abgegolten werden.

b) Sie machen bereits eine Einkommensteuererklärung?

Um die Zinserträge ordnungsgemäß zu versteuern, wählen Sie in FinanzOnline das Formular E1kv aus (E1kv Beilage zur Einkommenssteuererklärung E1 für Einkünfte aus Kapitalvermögen). Dort suchen Sie nach dem Feld 861 und tragen dort die Summe aller ausländischen Zinserträge aus dem vorangegangenen Jahr ein. Wenn Sie mehrere Sparkonten haben im Ausland wie z. B. bei MoneYou und Crédit Agricole so zählen Sie einfach alle Positionen zusammen und tragen diese dort ein.

Zu Beginn denkt man sich, puh, das klingt aber nach Aufwand, aber es ist nicht komplex und wenn man es 1x gemacht hat, so geht es dann das nächste Jahr wirklich schon sehr schnell. Wenn Sie höhere Summen zum Veranlagen haben, so macht es sich in der Regel bezahlt, wenn Sie die Angebote aus dem Ausland wählen, wenn die Zinshöhe das einzige Auswahlkriterium von Ihnen ist. Legen Sie 100.000 Euro im Ausland an und erhalten beim Anbieter um +0,5 % vor Steuern mehr, so ist das ein Mehrertrag von 375 Euro pro Jahr. (100.000 Euro * 0,5 % = 500 Euro – Abzug von KESt = 375 Euro).

Warum muss ich die Sparzinsen aus dem Ausland versteuern?

Sehen Sie dazu auf der Website des Finanzministeriums nach. Dort finden Sie den Hinweis, warum Sie denn nun auch für Sparzinsen aus dem Ausland ebenfalls 25 % bezahlen müssen:

Nicht endbesteuerungsfähige Kapitalerträge – Kapitalerträge die in der Steuererklärung zu erfassen sind (EStR Rz 6237)

Veranlagung zum besonderen Steuersatz von 25%

Eine Pflicht zur Veranlagung besteht grundsätzlich immer dann, wenn Kapitalerträge nicht dem KESt-Abzug unterliegen. Dies trifft insbesondere zu auf:

  • ausländische Kapitalerträge im engeren Sinn (z.B. Sparguthaben bei einer ausländischen Bank)
  • Substanzgewinne ausländischer Kapitalanlagen (ausländisches Depot)
  • Veräußerung eines GmbH-Anteils (keine Depotführung)

Gibt es eine Grenze?

Ja, die gibt es. Wenn die ausländischen Zinserträge sehr gering sind, so sind diese nicht in der E1kv einzutragen. Die Finanzbehörden informieren auf ihrer Website so darüber:

“Einkünfte aus Kapitalvermögen sind nur dann einzutragen, wenn sie insgesamt 22 Euro (Freigrenze) übersteigen. Diese Freigrenze gilt auch für endbesteuerungsfähige inländische Kapitalerträge und ausländische Kapitalerträge, die mit 25% besteuert werden können.”

Quelle: bmf.gv.at

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