Wir wissen es alle, dass die Entwicklung der Sparzinsen in den letzten Jahren nur nach unten ging und dies bestätigen auch die statistischen Daten der Nationalbank, welche Monat für Monat die Sparzinsen der österreichischen Banken erheben und diese nach verschiedenen Laufzeiten gruppieren. Seit 1995 gibt es bei der Nationalbank Daten für Privatkunden und der folgende Chart zeigt die Entwicklung der heimischen Sparzinsen eindrucksvoll.

Entwicklung 1995 bis 2000

Die Entwicklung von Mitte  der 90er Jahre bis 2000 war von einem leichten Rückgang der Sparzinsen bestimmt, alle Laufzeiten, welche noch größere Zinsunterschiede hatten, fielen leicht nach unten von beginnend bei ca. 4 % für Sparzinsen mit einer Laufzeit von maximal 1 Jahr bis fast auf 2 %. Je näher der Jahrtausendwechsel kam, desto höher stiegen die Sparzinsen wieder an auf das bis dahin bereits bekannt Niveau. Gabs zum Jahrtausendwechsel noch interessante Sparzinsen von fast 4 % so kam danach wieder ein Rückgang.

Entwicklung 2001 – 2010

Das nächste Jahrzehnt fing mit einem erneuten Rückgang der Sparzinsen an und ab 2005 gab es einen erneuten Anstieg der Sparzinsen. In wenigen Monaten kletterten die Sparzinsen bei den Banken auf neue Höhen. 4 % oder 5 % auf ein Sparbuch waren bei gutem Verhandlungsgeschick damals schon drinnen. Ein untrügliches Zeichen, dass etwas nicht passen könne war auch der Umstand, dass die Zinsen für Sparprodukte mit kürzeren Laufzeiten höher waren als für jene Sparprodukte mit einer längeren Laufzeit. Wenn Sie einen Blick auf den Chart werfen und die rote Linie verfolgen, so sehen Sie, dass sich diese stets unter der blauen und grünen Linie befindet, nur im Zeitraum rum um das Jahr 2017 geht es auf einmal kurzfristig nach oben und überholt die beiden anderen Linien. So kam das, was kommen musste. Die Situation war überhitzt und die Krise kam. Die Bankenkrise wurde zu einer Finanzkrise und vieles war nicht mehr so wie es zuvor war und die Sparzinsen fielen ins bodenlose verglichen mit den davor bekannten Höhen der Sparzinsen. Es ging gehörig runter und ein gelernter Österreicher kam auf einmal in Sparsituationen die er bislang nicht kannte.

Entwicklung 2010 –  2018

Bis zum Jahr 2011 gab es einen kleinen vermeintlichen Lichtblick bei den Sparzinsen, denn diese stiegen wieder leicht an, doch was dann kam, war bislang unbekannt. Die Sparzinsen fielen in das bodenlose und diese Situation veränderte sich nicht mehr. In den letzten 5 Jahren fielen die Zinsen immer tiefer und so ist es im Moment Usus, dass es auf Girokonten es zu gar keiner Verzinsung des Guthaben kommt und es auf Sparbüchern und Sparkonten es nur noch eine sehr niedrige Verzinsung gibt. Die Spread zwischen Veranlagungen bis 1 Jahr bzw. 1 bis 2 Jahre ist auf eine Fast-Null geschrumpft. Nur der Abstand zu den durchschnittlichen Sparzinsen bei einer Veranlagung von 2 Jahren und mehr ist noch vorhanden. Eine Änderung des Trends zu immer niedrigeren Sparzinsen ist aktuell nicht absehbar und es sieht einfach nicht gut aus, dass in den nächsten Monaten bzw. Jahren es zu höheren Sparzinsen kommen könnte. Der Jahreswechsel von 2017 auf 2018 brachte weiter leicht sinkende Sparzinsen und auf der anderen Seite eine Inflation von über 2 % und kein Indiz, dass die Inflation in nächster Zeit sinken wird. Die persönliche Inflation kann womöglich noch höher sein. Unterm Strich gibt es nichts zu verdienen beim Sparen im Moment.

Datenreihen



Quelle der Datenreihen ist die Österreichische Nationalbank, welche Monat für Monat bei den Banken die aktuellen Sparzinsen erhebt und diese statistisch auswertet.

Sparzinsen vs. Inflation

Im nächstfolgenden Kapitel vergleicht die OeNB den Realzins seit den 1960er Jahren und stellt hier die Sparzinsen der Inflation gegenüber. In dieser Grafik sehen Sie genau diese Gegenüberstellung der durchschnittlichen Sparzinsen für neue Sparprodukte mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr mit der Inflation im jeweiligen Monat. Sie sehen daraus sehr gut, dass die Inflation in der Regel immer höher war und es dadurch zu weniger Geld kam beim Sparer. Nicht berücksichtigt ist bei den durchschnittlichen Sparzinsen die Kapitalertragsteuer, welche den durchschnittlichen Zinssatz nochmals drücken wird.

Aus diesem Chart ist schön ersichtlich, dass zum Höhepunkt der Finanzkrise es kurzzeitig sogar eine negative Inflationsrate in Österreich gab und das war auch quasi die Wende von positiven Realzinsen hin zu negativen Realzinsen. Seit 2010 gibt es die Situation, dass es fast ausnahmslos zu einem negativen Realzins kam. Während die Sparzinsen nach unten sanken, sank zwar zu Beginn auch die Inflationsrate, doch nicht im gleichen Ausmaß und so zeigt sich der rote Bereich fast  immer über dem blauen Bereich, was bedeutet, dass die Inflation höher war als die durchschnittlichen Sparzinsen.

Realzins in Österreich (1960 – 2017)

Der Realzins ist jener Zinssatz der die Wertänderung eines Vermögens unter der Berücksichtigung der Inflation angibt. Das heißt er zeigt in diesem Fall an, wie hoch die durchschnittlichen Zinsen vor der Kapitalertragsteuer sind und wie hoch dieser dann ist, wenn die jeweils gültige Inflation davon abgezogen wird. Der Realzins klärt damit die Einschätzung der Sparer, wie viel denn tatsächlich bleibt vom aktuell gültigen Zinssatz nach Abzug der Inflation. Die OeNB hat dazu eine Auswertung über die letzten 50 Jahre gemacht und das Ergebnis ist sehr überraschend, denn es gab schon immer Perioden in denen es einen negativen Realzins gab und diese Perioden waren gar nicht mal so selten wie der nachfolgende Chart der OENB zeigt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jene Zeiträume in denen es einen positiven Realzins gab, wurde mit hellblauer Farbe markiert. Gibt es in den Zeiträumen jedoch einen negativen Realzins, so wurden diese Zeiträume mit der Farbe pink markiert. Was definitiv zum Ausdruck kommt ist, dass es seit 2000 fast nur noch einen negativen Realzins gab mit einer kurzen Ausnahme nach der Hochphase der Bankenkrise. Die Auswertung der OeNB wurde auf Basis des durchschnittlichen Zinssatzes für täglich fällige Spareinlagen gemacht. Verhandeln Sie gut oder binden Ihre Spareinlagen, so kann es durchaus sein, dass sie für die besagten Zeiträume einen positiven Realzins erwirtschaftet haben.