Beachte: Spareinlagen unterliegen in Österreich der Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person und Bank. Zinssätze können sich jederzeit ändern. Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar, sondern dient der sachlichen Einordnung aktueller Sparzinsen in Österreich.
Die Ausgangslage Anfang 2026, Zinsen sind spürbar niedriger als 2024
Die Sparzinsen sind 2025 deutlich zurückgekommen, der Trend hat sich in Richtung Jahreswechsel fortgesetzt. Gleichzeitig bleibt die Inflation ein Thema. Die OeNB geht für 2026 in ihren Prognosen von einer Inflationsrate um 2,4 Prozent aus, nach einem temporär höheren Wert 2025 von deutlich über 3 % und zuletzt sogar wieder bei 4 %.
Die Realrendite ist im Moment wieder sehr deutlich negativ. Viel zu geringe Zinssätze für Guthaben und eine viel zu hohe Inflation bringen unterm Strich eine negative Realrendite!
Für kurzfristiges und mittelfristiges Sparen ist die Kernfrage daher nicht, ob man die Inflation „schlägt“, sondern wie man Sicherheit und Verfügbarkeit sinnvoll organisiert, und dabei vermeidbare Zinsnachteile reduziert.
Was bei Sparzinsen 2026 wirklich zählt
- Zweck und Zeithorizont klar trennen, Notgroschen, geplante Ausgaben in 3 bis 24 Monaten, mittelfristige Reserve
- Verfügbarkeit priorisieren, wenn das Geld wirklich kurzfristig gebraucht werden könnte
- Aktionszinsen richtig lesen, entscheidend ist bei kurzfristigen Zinssätzen eher der Zinssatz nach der Aktionsphase – oder wird man zum Zinshopper?
- Steuereinfach versus nicht steuereinfach bewusst entscheiden, Komfort gegen potenziell höheren Bruttozins im Ausland.
Die aktuellen Sparzinsen zeigen über alle Laufzeiten hinweg ein weiterhin uneinheitliches, aber gut vergleichbares Zinsniveau. Beim Tagesgeld liegt der durchschnittliche Zinssatz derzeit bei 0,95 Prozent, während einzelne Anbieter mit bis zu 3,10 Prozent deutlich darüber liegen. Bei kurzfristigen Bindungen von 3 bis 12 Monaten bewegen sich die durchschnittlichen Sparzinsen meist zwischen 1,6 und 1,8 Prozent, die besten Angebote erreichen hier rund 2,65 Prozent. Mittlere Laufzeiten von 18 bis 36 Monaten bieten im Schnitt knapp unter 2 Prozent, mit Maximalzinsen bis zu 2,80 Prozent. Auch bei langen Laufzeiten von fünf Jahren und mehr sind Zinssätze um die 2 Prozent erreichbar, vereinzelt sogar darüber. Insgesamt zeigt sich, dass steuereinfache Sparprodukte insbesondere bei mittleren und langen Laufzeiten weiterhin wettbewerbsfähig bleiben, während nicht steuereinfache Angebote häufig die höchsten Spitzenzinsen liefern.
Bundesschatz als Alternative, besonders für kurze Bindungen
Der Bundesschatz bietet aktuell wieder eine gut strukturierte und transparente Möglichkeit, Geld sicher beim österreichischen Staat zu veranlagen. Zur Auswahl stehen klassische Bundesschätze mit Laufzeiten von einem Monat, zwölf Monaten sowie zehn Jahren, wobei die Zinssätze zwischen 1,85 Prozent und 2,75 Prozent pro Jahr liegen. Ergänzend dazu werden grüne Bundesschätze angeboten, die gezielt nachhaltige Projekte finanzieren und bei sechs Monaten Laufzeit ebenfalls 1,85 Prozent sowie bei vier Jahren 2,15 Prozent pro Jahr bieten.
- 1 Monat, klassischer Bundesschatz, 1,85 Prozent pro Jahr
- 6 Monate, grüner Bundesschatz, 1,85 Prozent pro Jahr
- 12 Monate, klassischer Bundesschatz, 1,85 Prozent pro Jahr
- 4 Jahre, grüner Bundesschatz, 2,15 Prozent pro Jahr
- 10 Jahre, klassischer Bundesschatz, 2,75 Prozent pro Jahr
Alle Produkte sind fix verzinst, steuereinfach und bieten bereits bei Zeichnung volle Klarheit darüber, welcher Betrag am Laufzeitende ausbezahlt wird. Damit positioniert sich der Bundesschatz insbesondere für sicherheitsorientierte Anlegerinnen und Anleger als Alternative zu klassischen Sparprodukten, vor allem bei kurzen und sehr langen Laufzeiten. Wichtig ist zu wissen, dass die Zinserträge beim Bundesschatz mit 27,5 % besteuert werden und nicht mit 25,0 % wie es bei den Sparprodukten der Fall ist.
Praxisleitfaden
1) Notgroschen, Verfügbarkeit schlägt Zinshöhe
Für den Notgroschen ist Tagesgeld passend, weil man jederzeit zugreifen kann. 2026 ist der Notgroschen typischerweise nicht „optimal verzinst“, aber er erfüllt einen anderen Zweck.
- Zielgröße häufig 3 bis 6 Monatsausgaben, je nach Haushalt und Sicherheit im Einkommen, wobei wir Menschen hier unterschiedlich sind. Manche benötigen mehr Notgroschen, manche weniger. Es ist wie immer, eine persönliche Entscheidung!
- Ort, täglich fälliges Konto, steuereinfach, ohne Gebühren
- Fokus, klare Trennung vom Girokonto, damit es nicht “wegschmilzt”
2) Geplante Ausgaben in 6 bis 24 Monaten, Festgeld oder Staffelung
Wenn Ausgaben planbar sind, kann Festgeld sinnvoll sein, weil der Zinssatz fix ist.
- 6 bis 12 Monate, wenn die Ausgaben schon absehbar sind
- 12 bis 24 Monate, wenn das Timing noch etwas flexibel ist
- Staffelung statt “Alles auf einmal”, z. B. 3 Tranchen zu 6, 12, 24 Monaten, damit nicht alles gleichzeitig fällig wird
Wichtig ist zu wissen, dass eine vorzeitige Auflösung nicht bei allen Anbietern möglich ist. Es gibt Banken die eine vorzeitige Auflösung kategorisch ausschließen, andere nennen wichtige Gründe, mit denen eine vorzeitige Auflösung doch möglich ist. Die Zinsen werden hier natürlich nicht voll ausbezahlt sondern nur auf Eckzins-Niveau verzinst.
3) Bundesschatz als Sicherheitsbaustein
Wer den Staat als Schuldner bevorzugt und mit dem Produkt gut zurechtkommt, kann Bundesschatz als Alternative zu klassischem Festgeld nutzen, vor allem bei kurzen Bindungen wie 6 oder 12 Monate.
Typische Fallen 2026, die ich vermeiden würde
- Nur auf den Aktionszins schauen, danach fällt der Zinssatz oft stark
- Verfügbarkeit unterschätzen, Festgeld ist nur dann gut, wenn man wirklich nicht ran muss. Manche Banken bieten nicht einmal eine vorzeitige Auflösung an
- Einlagensicherung ignorieren, größere Beträge besser auf mehrere Banken verteilen. Im Fall einer Pleite wären Beträge über 100.000 Euro dann weg!
- Steuerthema unterschätzen, nicht steuereinfach kann sich lohnen, bringt aber zusätzliche Pflichten
Fazit, kurz bis mittelfristig spart man 2026 mit Struktur, nicht mit Perfektion
Wer 2026 in Österreich kurz bis mittelfristig spart, sollte die Produkte nach Funktion auswählen, nicht nach Marketing. Tagesgeld ist für Liquidität und Notgroschen, Festgeld für planbare Zeiträume, Bundesschatz für kurze Bindungen als staatliche Alternative.
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